Nominierungen für den Respektpreis 2014 stehen fest

Kuratorium nominiert den türkischen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ, die Initiative HEROES, die Rapperin Sookee und zwölf transgeschlechtliche Menschen

Das sechsköpfige Respektpreis-Kuratorium des Bündnisses gegen Homophobie hat in seiner abschließenden Sitzung vier Nominierungen für herausragenden Einsatz gegen Homophobie und Transphobie bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um die möglichen Preisträger des Respektpreises 2014:

Halil İbrahim Dinçdağ, der türkische Schiedsrichter wurde nach seinem Zwangs-Outing 2008 aus dem türkischen Fußballverband verbannt. In der öffentlichen Darstellung in der Türkei wird Dinçdağ seit Jahren aufgrund seiner Homosexualität diskriminiert und erhält Morddrohungen, da er von seiner Forderung nicht abrückt, wieder Verbandsspiele pfeifen zu dürfen. Dinçdağ, der infolge der Ausgrenzung unter anderem seine Arbeitsstelle als Radiomoderator verloren hat, führt in Istanbul seit Jahren einen Rechtsprozess, stellvertretend für die gesamte türkische LGBTI-Community.

Die jungen Männer der Initiative HEROES – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre, einem Projekt von Strohhalm e.V., engagieren sich für ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen jeglicher Kultur. Mit Aufklärungsarbeiten vor Ort übernehmen sie Verantwortung für sich und ihre „Brüder“. Homophobie wird von den Akteuren als Problem erkannt und aus Eigenantrieb heraus in die Projektarbeit eingebunden, u.a. in die Präventionsteams bei Veranstaltungen, wo die heterosexuellen jungen Männer mit Migrationshintergrund ganz  selbstbewusst Flagge für Lesben und Schwule zeigen.

Dass die Musikrichtung Rap nicht den Homophoben überlassen werden muss, belegt die Berliner Musikerin Sookee, bürgerlich Nora Hantzsch. Als Rapperin engagiert sie sich mit ihren Texten und Auftritten gegen Homophobie, Sexismus und Antisemitismus im deutschen Hip Hop. 2012 erschienen zwei Songs mit den Titeln „Pro Homo“ und „D.R.A.G.“, in denen sie Partei für Homosexuelle ergreift und sich von Heteronormativität abgrenzt. Sie setzt damit einen zwingen notwendigen Kontrapunkt in der deutschen Hip Hop-Szene.

30-40% der transgeschlechtlichen Menschen werden bei ihren Bewerbungen nicht berücksichtigt und 47% würden am Arbeitsplatz niemals offen mit ihrer Transidentität umgehen. Die Wanderausstellung „Trans* in Arbeit“ bricht mit einem Tabu-Thema und zeigt in zwölf hochwertigen Portraitfotos zwölf transgeschlechtliche Menschen am Arbeitsplatz. Ihren Mut, damit vor die Kamera zu treten, honoriert das Bündnis-Kuratorium mit einer Nominierung für den Respektpreis 2014.

„Aus einer ganzen Reihe würdiger Kandidatinnen und Kandidaten haben wir uns für vier Personen beziehungsweise Organisationen entschieden, die mit ihrer Arbeit und ihrem Wirken richtungsweisende Signale für die Gesamtgesellschaft aussenden“, so KuratorinChrista Arnet vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD). Dieses Engagement gelte es mit einer Nominierung zu unterstützen.

Das Respektpreis-Kuratorium 2014 bestand aus den Bündnis-Mitgliedern Radisson Blu (Torsten Dahlke), Visit Berlin (Yasmine-Blanche Werder), Tennis Borussia Berlin (Christian Rudolph), der Unternehmensberatung [know:bodies] (Dr. Astrid Nelke) sowie den beiden Bündnis-Trägern Land Berlin (Florencio Chicote) und dem LSVD Berlin-Brandenburg (Christa Arnet).

Die 80 Mitglieder des Bündnisses entscheiden nun mit einfacher Mehrheit über den Preisträger 2014. Die Auszeichnung findet am 24. November 2014 im Grand Hotel Esplanade statt.

Preisträgerin des Jahres 2013 war die polnische Menschenrechtlerin Elżbieta Szczęsna.

Das Bündnis gegen Homophobie ist die Allianz der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft für die gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen. Um aktiv gegen Homophobie einzutreten setzt der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen – Landesantidiskriminierungsstelle (LADS), das von ihm initiierte Bündnis gegen Homophobie im Rahmen der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ um.

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